„Sehr anspruchsvoll, aber überaus erfolgreich.“

Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen und Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten ziehen erste Bilanz zur Sanierung des Königsflügels.

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Schloss Bad Homburg - Königsflügel
Erklärten den Fortschritt der Sanierungsarbeiten: Volker Langen (v. l., LBIH), Ulrich Haroska, Kirsten Worms, Dr. Anja Dötsch (alle VSG), Thomas Platte, Catherina Schuster (beide LBIH).

BAD HOMBURG. „Drei von vier Sanierungsphasen sind mittlerweile abgeschlossen. Die Restaurierungsarbeiten laufen weiter auf Hochtouren. Die Sanierung ist sehr anspruchsvoll, die bisherigen Ergebnisse aber überaus erfolgreich!“ Das gaben heute Kirsten Worms, Direktorin der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten (VSG) und Thomas Platte, Direktor des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen (LBIH) bekannt. Beide präsentierten eine erste Bilanz zur Sanierung des Königsflügels im Schloss Bad Homburg. Voraussichtlich im Herbst 2020 sollen die früheren Wohnräume der kaiserlichen Familie auch für die Öffentlichkeit wiedereröffnet werden. In die Sanierung des Königsflügels, in dem sich das einzige in Deutschland original erhaltene Kaiserdomizil befindet, investiert das Land Hessen nach jetziger Planung insgesamt rund 7,7 Millionen Euro.

Für die substanzerhaltenden Arbeiten der Sanierung, die mittlerweile im Wesentlichen abgeschlossen sind, ist der LBIH als Bauherrenvertreter zuständig. Als Nutzerin und als Denkmalfachbehörde ist die VSG unmittelbar in die Planungen und die Umsetzung der Arbeiten eingebunden.

2011 musste der Königsflügel aufgrund von Baumängeln geschlossen werden. Auch die Schlösserverwaltung räumte ihre Büros in der Etage über den zwei kaiserlichen Appartements und den sie verbindenden Gesellschaftsräumen. Seitdem fand in mehreren Bauabschnitten eine statische Instandsetzung statt, auf die eine umfangreiche Restaurierung der wandfesten und mobilen Ausstattung der kaiserlichen Wohnräume folgte und immer noch folgt.

Die VSG betreut auch die Wiedereinrichtung der Räumlichkeiten im Königsflügel – ganz im Vorbild des Zustandes von 1917/18. Die Räume stellen das einzige weitgehend authentisch erhaltene Zeugnis kaiserlichen Wohnens sowie wilhelminischer, höfischer Alltagskultur in Deutschland dar. Dazu erklärt die Direktorin der Schlösserverwaltung, Kirsten Worms: „Eine hervorragende Quellenlage erlaubt uns, den damaligen Zustand materiell eindrucksvoll darzustellen. Ich freue mich auf die weiteren Herausforderungen an diesem wichtigen Ort zur Geschichte der kaiserlichen Familie.“

Der Königsflügel des Schlosses weist eine lange und wechselvolle Baugeschichte auf. Seine heutige Gestalt erhielt er durch verschiedene Erweiterungen, Aufstockungen und Umbauten über Jahrhunderte hinweg. Den stärksten baulichen Eingriff nahm der Darmstädter Hofbaumeister Georg Moller (1784-1852) im 19. Jahrhundert vor, als er zwei bis dahin konstruktiv getrennte Gebäude miteinander verband: Dies führte zu erheblichen Veränderungen der historischen Tragstruktur. Die damals gewählte Holzkonstruktion verformte sich in der Folge so stark, dass sie auf die Decken drückte, anstatt sie zu tragen.

Zu Beginn der laufenden Instandsetzung wurde im Jahr 2013 für die statische Ertüchtigung des gesamten Baukörpers der hölzernen Konstruktion Mollers eine Hängekonstruktion aus Stahl zur Seite gestellt. Diese soll nun weiteren Verformungen vorbeugen. Zuvor wurde eine Erneuerung des gesamten Dachaufbaus vorgenommen. Die massive Schädigung der Deckenbalken des Königsflügels sowie des Decken- und Fußbodenaufbaus ist beispielsweise an der deutlich abgesunkenen Decke des Speisesaals zu erkennen, die derzeit in ihrem heutigen Zustand gesichert wird.

Die Summe der Schäden machte eine intensive Instandsetzung nötig. Das Projekt erwies und erweist sich als äußerst anspruchsvoll: Im Zuge der fortschreitenden Arbeiten musste der LBIH in Zusammenarbeit mit der VSG und weiteren Fachleuten den Zustand des Gebäudes auf Basis neu gewonnener Erkenntnisse bewerten und immer wieder neue und angemessene ‎Lösungen beim denkmalgerechten Umgang mit der hochwertigen, historischen Bausubstanz finden. „In solchen Situationen muss tagesaktuell entschieden werden, wie es weitergeht“, sagt Thomas Platte, Direktor des LBIH. „Das macht den Reiz, aber auch die Herausforderung einer solchen Sanierung aus.“

Neben den konstruktiven Maßnahmen war auch eine Erneuerung der technischen Infrastruktur erforderlich. Dadurch wurde es möglich, die Kronleuchter in den Räumen der kaiserlichen Wohnung im 1. Obergeschoss wieder zu elektrifizieren, wie es schon unter Kaiser Wilhelm II. der Fall war. Sein Interesse für moderne Technik war stark ausgeprägt Die weiteren Spuren der kaiserzeitlichen Haustechnik werden in Kürze restauriert und wiederhergestellt sein.

Im Rahmen der Bausanierung wurden und werden die wandfesten Ausstattungen in den Räumen des Kaiserdomizils restauriert. Es handelt sich vor allem um Stuck, Putze, Tapeten, Fliesen und Wandbespannungen. Dabei wurden zahlreiche Ausstattungsdetails wiederentdeckt, die hinter jüngeren Wandbekleidungen verborgen waren. Erst kürzlich kam eine Fläche mit charakteristischen Abdrücken auf altem Mörtel im ehemaligen Ankleidezimmer der Kaiserin zum Vorschein. Auf sie waren einst Fliesen im Delfter Stil verlegt, die teilweise noch erhalten sind. Davor stand eine Badewanne. Auch diese wurde wiedergefunden und nimmt dort bald ihren alten Platz ein.

Auf Hochtouren laufen zurzeit auch die Aufbereitungen des mobilen Kunstgutes, das zu den Kaiserappartements und den Gesellschaftsräumen gehört. Die Konservierung, Restaurierung oder auch Rekonstruktion von Objekten, einschließlich des Nähens von textiler Ausstattung, wird durch die Restaurierungswerkstätten der VSG realisiert.

Pressestelle: Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen
Pressesprecher: Alexander Hoffmann
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