Zitat Pia Schubert-Neukäter, Projektmanagerin in der Niederlassung Nord des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen (LBIH):
„Die Gründe für die Verzögerung sind vielfältig. Zum einen machen sich auch bei diesem Projekt die allgemeinen Herausforderungen, vor denen die Baubranche derzeit steht, bemerkbar: So waren Verzögerungen in mehreren Baugewerken zu verzeichnen. Zum anderen schlagen aber auch die hohen Anforderungen zu Buche, die an einen Museumsneubau für eine derart hochkarätige Sammlung gestellt werden müssen. Das Projekt integriert ein neu errichtetes Gebäude in die wertvolle historische Bausubstanz der sogenannten Torwache am Brüder-Grimm-Platz in Kassel. Das macht das Vorhaben besonders anspruchsvoll. Das einzigartige Tapetenmuseum erhält mit seinem Neubau auch eine zeitgemäße Photovoltaikanlage. Das wird die Energiebilanz des Gebäudes positiv beeinflussen. Die ergänzenden Maßnahmen am Neubau werden das Museum für die Zukunft gut aufstellen. Gemeinsam freuen wir uns auf die Eröffnung, die für Herbst 2027 geplant ist.“
Zitat Dr. Martin Faass, Direktor Hessen Kassel Heritage:
„Dass die kostbaren historischen Objekte zukünftig in einem Museumsneubau präsentiert werden, ist eine große Wertschätzung des Landes Hessen für diese international einzigartige Sammlung. Längere Planungs- und Ausführungsphasen als bei einem herkömmlichen Neubau, sind daher nachvollziehbar. Eine Eröffnung im documenta Jahr darf nicht im Schatten der Weltkunstschau stehen. Somit ist die Terminsetzung nach Ende der documenta 16 sehr wünschenswert.“
Investition in einzigartige Sammlung
Das Land Hessen investiert nach heutiger Planung rund 34,9 Millionen Euro in den Neubau für das Tapetenmuseum. Dabei haben die allgemeinen Entwicklungen am Bau- und Finanzierungsmarkt bereits seit Längerem zu einer deutlichen Erhöhung des Baupreisniveaus und einer Verteuerung der Finanzierung von Projektentwicklungen geführt.
Öffentliche Bauprojekte im Kulturbereich unterliegen in der Regel besonderen Rahmenbedingungen, die zu längeren Projektlaufzeiten führen können. Dazu zählen unter anderem komplexe Vergabe- und Ausschreibungsverfahren oder die Einbindung zahlreicher Beteiligter, die einen hohen Abstimmungsaufwand erfordern. Auch in der Ausführung können Verzögerungen auftreten, da Detaillösungen – insbesondere bei Arbeiten im denkmalgeschützten Bestand – oft mehr Zeit in Anspruch nehmen als ursprünglich vorgesehen. Zudem ergeben sich während der Bauphase nicht selten notwendige Planungsergänzungen, etwa durch zusätzliche Objekt- oder Brandschutzauflagen.
Was ist das Deutsche Tapetenmuseum?
Das Deutsche Tapetenmuseum wurde 1923 vom Verein Deutsches Tapetenmuseum in Kassel gegründet und ist seit 1993 in der Trägerschaft des Landes Hessen. Nachdem das Deutsche Tapetenmuseum an drei Standorten ansässig war – im Roten und Weißen Palais am Friedrichsplatz (1923–1943), im Weißensteinflügel von Schloss Wilhelmshöhe (1948–1974) und zuletzt im Hessischen Landesmuseum (1976–2008) – ist derzeit ein Museumsneubau nach Entwürfen des Baseler Büros Harry Gugger Studio in Arbeit.
In der etwa 1.500 qm großen neuen Dauerausstellung werden Besuchende auf eine Zeitreise durch 600 Jahre Ausstattungsgeschichte geschickt. Parallel zu den Arbeiten am Museumsneubau laufen auch die Vorbereitungen zur neuen Dauerausstellung wie etwa die umfangreichen Restaurierungen der Sammlung des Deutschen Tapetenmuseums sowie ergänzend von zeitgenössischem Mobiliar, Kunstgewerbe und historischer Kleidung.
Der Neubau des Tapetenmuseums wurde 2017 von der damaligen Landesregierung initiiert. Er stellt eine sinnvolle Ergänzung der Umgestaltung des Quartiers rund um den von der Stadt Kassel derzeit erneuerten Brüder-Grimm-Platz dar – ein Scharnier zwischen der Wilhelmshöher Allee, die zum UNESCO-Weltkulturerbe Bergpark Wilhelmshöhe führt, und der Kasseler Innenstadt. Rund um den neugestalteten Platz befinden sich zahlreiche weitere Ausstellungshäuser, darunter in unmittelbarer Nähe das Hessische Landesmuseum, die städtische Grimmwelt sowie das von Land, Bund und Stadt geförderte, bundesweit einzigartige Museum für Sepulkralkultur. Das Deutsche Tapetenmuseum fügt sich als stimmiger Bestandteil in diese Gesamtkonzeption ein.