Visualisierung des erstplatzierten Entwurfs von Xaveer de Geyter Architects aus Brüssel gemeinsam mit Topotek 1 Architektur GmbH, Zürich/Berlin.

Neubau der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach am Main

Lesedauer:2 Minuten

Im Realisierungswettbewerb um den Neubau der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach am Main hat das Preisgericht am 24. und 25. Januar 2023 eine Entscheidung getroffen. Der erste Platz geht an das Architekturbüro Xaveer de Geyter aus Brüssel gemeinsam mit den Architekten Topotek 1 Architektur GmbH aus Zürich und Berlin.

Einphasiger Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren

Land Hessen, vertreten durch das Hessische Ministerium der Finanzen, vertreten durch den Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (Niederlassung Rhein-Main), in Abstimmung mit dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, vertreten durch die Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main sowie das Studierendenwerk Frankfurt am Main

Preisgerichtsentscheidung vom 24. und 25. Januar 2023

Aus der Erläuterung der Jury

Die Idee, der durch die sogenannte „Durchsicht“ notwendigen Teilung der Baukörper mit einem weit aus stärkeren, die beiden Grundstücksteile verbindenden Freiraum zu begegnen, besticht auf Anhieb. Die städtebaulich gewünschte Verbindung von Ludwigstraße und Hafenbecken bleibt gewährleistet, wirkt aber nicht trennend, sondern vielmehr, wie ein selbstverständlicher und notwendiger Zugang zum neuen Campus der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach am Main, die sich wie eine kleine Stadt um diesen Hof organisiert.

Die Großform des vier- bis fünfgeschossigen Gebäudes folgt dem Knick der Baulinien und -grenzen, wie im B-Plan gefordert, und nutzt das Grundstück zu seinen Rändern weitgehend aus. Damit wird die Voraussetzung geschaffen, einen großen, klar der Hochschule zugeordneten rechtwinkligen  [...] Hof zu schaffen, der wie aus dem Körper ausgestanzt erscheint. Da der Gartenhof dem Gebäudeknick nicht folgt, wirkt er als stark verbindende Kraft über die „Durchsicht“ hinweg. Im westlichen Bereich entstehen durch diese Verschränkung die notwendigen Raumtiefen für die Foyer-, Veranstaltungs- und Ausstellungsflächen.

Um den Hof werden die Nutzungen in einer ebenso klaren, konstruktiven Struktur verortet, die robust und flexibel auch für zukünftige Anpassungen erscheint. Durch geschicktes Aufdrehen der Fassaden im Bereich des Einschnitts der „Durchsicht“ vermeidet der Entwurf die städtebaulich angelegten spitzen Winkel. Hierdurch entsteht stadt- wie mainseitig eine trichterförmige, einladende Geste und die Durchsicht verliert ihre axiale Dominanz. Die Achse des neuen Campushofs dagegen wird gestärkt und wirkt einladend.  [...]

Die lange und gerasterte Ausbildung des Baukörpers auf Baufeld B ist als Hommage an die Industriebauten entlang des Mains gedacht. Durch die Subtraktion einzelner Volumen werden die Körper aufgelockert und rhythmisiert. Die so entstehenden Sonderräume sind jeweils zwei bis drei Geschosse hoch und werden im Grundriss als Innenhöfe oder fassadenflankierende Ausschnitte unterschiedlich verortet. Es entstehen vielversprechende Raumangebote für Ausstellung und Kommunikation.

Die Mehrfachkodierung der umlaufenden „bioklimatischen Galerie“ als Erschließungs-, Arbeits-, und Ausstellungsfläche sowie klimatische Pufferzone erscheint dem Preisgericht als ein sehr attraktives Element für die zukünftige Hochschule. Die Nutzungskaskade Atelier-Galerie-Garten kann ein sehr flexibles Arbeiten und Ausstellen ermöglichen. Im südlichen Riegel besteht für die Studierenden analog die Möglichkeit, die Erschließungszone im Sinne eines Schaufensters zur Hafenallee zu bespielen.  [...]

Als Fassadenfüllung werden unterschiedliche Materialien, von transparent über transluzent bis opak, angeboten und somit auch eine Möglichkeit die Belichtung und Intimität differenziert zu steuern.  [...]

Insgesamt wird die Idee, die Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach am Main als kleine Stadt um einen grünen Gartenhof zu entwickeln als sehr überzeugend wahrgenommen. Das Preisgericht schätzt besonders, dass es den Entwurfsverfasser*innen gelungen ist eine Struktur zu entwickeln, die sowohl in der inneren Organisation, als auch in der Wirkung nach außen als eine robuste Einheit wirkt.

Schlagworte zum Thema